© HERO · OOZ © Daisuke Hagiwara / SQUARE ENIX CO., LTD.
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Horimiya-Interview: HERO und Daisuke Hagiwara im Gespräch

In der AnimaniA 3/2017 stellen wir euch Egmont Mangas „Rainbow of Romance“-Neuheit Horimiya vor. Die bislang zehnbändige Slice-of-Life-Romanze basiert auf dem Vier-Panel-Web-Manga Hori-san to Miyamura-kun. Wir freuen uns, dass uns sowohl Web-Yonkoma-Schöpfer HERO als auch Horimiya-Zeichner Daisuke Hagiwara  für ein Interview zur Verfügung standen, das ihr hier in voller Länge lesen könnt. Auf der AnimaniA-DVD der Ausgabe 3/2017 erwartet euch zudem eine Leseprobe.

HERO-san, Hagiwara-san, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch nehmen. Würden Sie uns zunächst kurz beschreiben, welcher berufliche Weg Sie zu Ihrer heutigen Beschäftigung als Autor beziehungsweise Zeichner von Horimiya geführt hat?

H (HERO, Selbtporträt links): Ich wollte auf meiner Homepage noch irgendwas anderes außer Illustrationen hochladen und habe mich für einen grob gezeichneten Manga entschieden. Ich hatte es nicht von Anfang an darauf abgesehen, Mangaka zu werden. Der Vorschlag, Horimiya in der Form (Vorlage + Bilder) aufzuteilen, stammte vom Verlag.

DH (Daisuke Hagiwara, Selbstporträt rechts): Ich bin Daisuke Hagiwara und übernehme die Zeichnungen bei Horimiya. Schon als Kind mochte ich es sehr, mir Geschichten auszudenken und Bilder zu zeichnen, wodurch ich auch den Beruf des Mangaka anstrebte. Mein Debut machte ich als Zeichner von Back to the Jack, wovon die Vorlage aus der Feder von Frau Yuki Shinkiba stammt. Derzeit zeichne ich den Manga Nenene, bei dem Shizuku Totono die Story übernimmt.

© privat
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Bei Horimiya handelt es sich um die von Hagiwara-san gezeichnete Manga-Adaption Ihrer Web-Manga-Vorlage, HERO-san. Wie stimmen Sie sich ab?

H: Ich bespreche mich immer mit dem zuständigen Redakteur und nicht mit Herrn Hagiwara direkt.

DH: Nachdem ich mich mit dem zuständigen Redakteur abgesprochen und das Storyboard fertig gestellt habe, wird dieses Herrn HERO zum Überprüfen vorgelegt. Wenn ich mal Fragen haben sollte, dann klärt diese ebenfalls der zuständige Redakteur, so dass ich Herrn HERO kaum persönlich sehe.

Unterscheiden sich der Web-Manga Hori-san to Miyamura-kun und der Manga Horimiya inhaltlich?

H: Ich denke, dass Horimiya in vielerlei Hinsicht eher auf die Allgemeinheit ausgerichtet ist. Er ist in Form eines richtigen Manga gezeichnet, die Charaktere sind groß und das Ganze ist leicht zu lesen.

DH: Hori-san to Miyamura-kun ist ein Vier-Panel-Manga, während Horimiya eine normale Panelaufteilung hat. Inhaltlich sind beide zwar fast identisch, aber da für Horimiya hauptsächlich Episoden ausgesucht werden, in denen Hori und Miyamura im Vordergrund stehen, gibt es leider auch einige Storyelemente, die wir für die Veröffentlichung rauslassen mussten. Wenn ihr auch alle anderen Charaktere neben Hori und Miyamura genauer kennenlernen möchtet, empfehle ich euch auf jeden Fall, die Vorlage Hori-san to Miyamura-kun zu lesen!

HERO-san, welche Art Romanze wollten Sie mit Horimiya  erzählen und in welchen Schritten haben Sie das Projekt zu seiner jetzigen Form entwickelt?

H: Ich habe nicht von Anfang an festgelegt, dass ich eine Romanze erzählen oder mit welcher Geschichte ich das Ganze beenden wollte. Ich habe vorzugsweise einfach nur gezeichnet, worauf ich gerade Lust hatte. Daran hat sich bis jetzt auch nichts geändert.

© HERO · OOZ © Daisuke Hagiwara / SQUARE ENIX CO., LTD.
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HERO-san, Hagiwara-san, gibt es einen Charakter in Horimiya, den Sie ganz besonders mögen und warum?

H: Ich mag alle Charaktere besonders gern.

DH: Die Charaktere sind alle sehr lebendig und ich mag sie sehr gern, aber ganz besonders mag ich Miyamuras Vater. In Horimiya taucht er leider nur auf dem Foto in einer Zeitschrift auf, aber in Hori-san to Miyamura-kun gibt es auch Storys mit Miyamuras Eltern. Als Miyamura als Kind hinfällt und sein Vater das Ganze fotografiert, hat man so richtig das Gefühl, einen Vater zu sehen – und das mag ich sehr gern an ihm.

Gibt es eine Szene in Horimiya, mit der Sie besonders zufrieden sind oder mit der Sie eine besondere Erinnerung verbinden?

H: Ich mag die beiden Episoden mit dem Sportfest und dem Schreinbesuch an Neujahr, die ich extra für den Manga Horimiya entworfen habe. Die lebendigen Zeichnungen der Charaktere [von Herrn Hagiwara] gefallen mir sehr gut.

DH: Eine Szene, mit der ich besonders zufrieden bin, wäre das 63. Kapitel, das zu Weihnachten spielt und in das ich besonders viel Mühe hineingesteckt habe. In der Vorlage blieb mir diese Episode auch besonders in Erinnerung, was ich beim Zeichnen stets im Hinterkopf behalten habe. Das jeweils letzte Panel in den Kapiteln 23 und 63 habe ich absichtlich gleich aufgebaut. In beiden Panels wird dargestellt, dass die beiden in ihrer Beziehung ein Stückchen weiter vorangekommen sind und es macht mich sehr glücklich, das zeichnerisch so gegenüberstellen zu können, wie ich mir das erhofft hatte. Ich mag es sehr gern, wie klar hier die Emotionen wie Unsicherheit, Erwartung und Freude spürbar sind! (Die Kapitelangaben beziehen sich auf den Manga Hiromiya.)

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Romance ist ein unheimlich beliebtes Genre, bei dem man sich vorstellen könnte, dass alles schon längst einmal in anderen Manga erzählt wurde. Wie ist ihr Standpunkt dazu und was unternehmen sie, um die Geschichte neuartig, frisch, spannend und berührend zu gestalten?

H: Ich habe mir keine spezifischen Gedanken darüber gemacht. Ehrlich gesagt lese ich auch kaum Romance-Manga, die so in letzter Zeit erscheinen sind, so dass ich gar nicht weiß, was eine typische Romance-Story so ausmacht. Ich versuche mich nur ab und an daran zurückzuerinnern, wie es mir denn so erging, als ich genauso alt war wie die Charaktere.

DH: Ich möchte die Welt von Herrn HEROs Werk so gut wie möglich in einem Manga darstellen und berate mich mit ihm und dem zuständigen Redakteur darüber, wie das am besten umzusetzen sei. Daher habe ich auch das Gefühl, dass es hierfür hierbei keine spezielle Vorgehensweise gibt. Aber ich bin der Meinung, dass das gleiche Motiv anders wirkt, je nachdem von wem es gezeichnet und von wem es betrachtet wird. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, einfach gerade heraus so zu zeichnen, wie man die Dinge selbst empfindet.

Hagiwara-san, eine Aufgabe, die Nachwuchszeichner regelmäßig vor große Herausforderungen stellt, ist das Layouten ihrer Manga-Seiten: Welchen Inhalt in ein großes Panel, welchen in ein kleines, das richtige Tempo, die berührende Präsentation emotionaler Momente und so weiter. Welchen Tipp können Sie dem Nachwuchs hierzu anhand Ihrer eigenen, langjährigen Zeichnererfahrung geben?

DH: Ich bin selbst noch neu im Geschäft, so dass ich leider nicht in der Position bin, gute Ratschläge zu geben. Eher wäre ich selbst für Tipps und Ratschläge sehr dankbar! Aber, was das Storyboard oder die Panelaufteilung anbelangt, so kann ich empfehlen, das nach der Fertigstellung einmal über Nacht ruhen zu lassen und es sich dann noch einmal anzusehen. Dann fällt es leichter, festzustellen, wo das Pacing vielleicht noch nicht so gut ist. Ich finde es wichtig, den Kopf auch einfach mal zu resetten und dann noch einmal von vorn anzufangen.

Welche Zeichenmaterialien verwenden Sie?

DH: Ich arbeite mittlerweile nur noch ausschließlich digital, so dass ich neben einem Computer und einem Grafiktablett noch die Software CLIP STUDIO verwende. Bei farbigen Manuskripten verwende ich zu dem oben erwähnten noch zusätzlich die Programme sai und Photoshop.

HERO, die Zeichnungen für den Web-Manga Hori-san to Miyamura-kun haben Sie selbst angefertigt. Daisuke Hagiwaras Stil unterscheidet sich stark von Ihrem. Wie haben Sie das Aussehen der Manga-Charaktere gemeinsam entwickelt?

H: Ich bekomme zuerst den groben Charakterentwurf von Herrn Hagiwara zu sehen und wenn mir dabei etwas auffallen sollte, dann bitte ich ihn gegebenenfalls, hier und da etwas auszubessern.

DH: Ich habe die Grobentwürfe der Hauptcharaktere zunächst Herrn HERO zur Überprüfung vorgelegt. Danach habe ich einiges immer wieder ausgebessert und wiederum überprüfen lassen, bis wir beim aktuellen Charakterdesign angelangt sind.

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Die Web-Manga-Vorlage Hori-san to Miyamura-kun ist in zehn Bänden abgeschlossen, in Japan sind aktuell 10.5 Manga-Bände von Horimiya erhältlich. Ist die Adaption damit beendet und wenn nein, wie viele Bände werden es voraussichtlich noch werden?

DH: Wie bereits bei der Antwort auf Frage 3 erwähnt, ist nicht die ganze Geschichte der Vorlage auch im Manga Horimiya zu lesen. Ich habe auch nicht besonders darauf geachtet, dass die Anzahl der Kapitel oder Bände möglichst übereinstimmen sollte. Die Geschichte geht also noch weiter. Ich weiß leider nicht, wie viele Bände noch erscheinen werden.

Können Sie uns etwas über ihre anderen Werke und vielleicht auch schon etwas über Ihre nächsten Werke verraten ?

H: Ich habe auch mal den Manga Asao-san to Kurata-kun veröffentlicht, der an der gleichen Schule spielt, wie Hori-san to Miyamura-kun. Der Inhalt hat mit Hori-san to Miyamura-kun oder Horimiya nichts zu tun, aber es tauchen die gleichen Lehrer auf. Derzeit arbeite ich an dem Manga Amamizu Rinda, der ebenfalls an einer Schule spielt. Sollte sich die Chance dazu ergeben, möchte ich in Zukunft gern noch weitere Manga zeichnen.

DH: Derzeit zeichne ich den Manga Nenene, zu dem Shizuku Totono die Vorlage liefert. Sollte ich mal etwas mehr Zeit haben, würde ich gern auch mal einen eigenen Manga zeichnen.

Haben Sie beide zum Abschluss noch eine Anime- oder Manga-Empfehlung für Ihre deutschen Fans?

H: Ich liebe die Manga von Rumiko Takahashi! In jedem ihrer Manga stellt sie ihre Charaktere und deren argloses Benehmen sehr detailliert dar.

D: Ich möchte euch auf jeden Fall Fullmetal Alchemist Die Story ist natürlich sehr interessant, aber die älteren Männer darin sind besonders cool. Und dann noch Golden Kamuy! Der Unterschied zwischen ernsten und lustigen Szenen, sowie das Pacing allgemein, fühlen sich richtig gut an!

HERO-san, Hagiwara-san, vielen Dank für das Gespräch!

„Horimiya“ erscheint ab April 2017 bei Egmont Manga. Unsere Besprechung lest ihr in der AnimaniA 3/2017!

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