TRUE
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Interview: TRUE

Auf der AnimagiC 2017 eroberte die japanische Anisong-Künstlerin TRUE (u. a. der Ending-Song ailes zu Maria, the Virgin Witch) die Herzen der Besucher im Sturm! Bei ihrer großen Deutschlandpremiere im Rosengarten Mannheim trug sie aus ihrem Song-Portfolio Hits wie das Mobile Suit Gundam: Iron-Blooded Orphans-Ending STEEL -Tekketsu no Kizuna- und Soundscape, das Opening zur zweiten Sound! Euphonium-Staffel vor (beide Animes hierzulande als OmU-Fassung bei Crunchyroll). Außerdem präsentierte sie ihr neues Werk Sincerely, den Theme-Song zur kommenden Anime-Serie Violet Evergarden (hierzulande im Frühjahr 2018 bei Netflix) aus dem Hause Kyoto Animation (u. a. Free!), die auf der AnimagiC Europapremiere feierte. Wir haben mit der sympathischen Sängerin, die als Miho Karasawa auch Anisongs für andere Künstler textet (u. a. das Macross Delta-Opening Ichidodake no Koinara), über ihre Arbeit gesprochen. Unsere Fragen und TRUEs Antworten lest ihr hier – einen Nachbericht zur AnimagiC 2017 findet ihr in der aktuellen AnimaniA 6/2017.

TRUE
© AnimaniA-Magazin

Wie sind Sie zur Musik gekommen? Gab es vielleicht ein bestimmtes Ereignis, nach dem Sie gesagt haben: „Ich muss mein Leben der Musik widmen!“?
TRUE:
Ich habe zum ersten Mal mit 15 Jahren vor einem Publikum gesungen. Früher hatte ich eher einen Komplex, was meine raue Stimme angeht, aber seit ich einmal den Spaß entdeckt habe, mich selbst vor Leuten darzustellen, konnte ich nicht mehr damit aufhören – und seitdem bin ich eine Sängerin.

Und wie wurde die Musik dann zum Beruf?
TRUE:
Seit ich 15 bin, bin ich als Pop-Sängerin aktiv. Damals habe ich zusammen mit einem Team die Musik produziert und herausgebracht. Zur Anime-Musik bin ich dann vor etwa drei bis vier Jahren gekommen.

Wie sind sie dazu gekommen, sich auf Anisongs zu fokussieren und was reizt sie daran, Lieder für Anime zu schreiben und zu singen?
TRUE:
Ich hatte schon vorher Songtexte für andere Künstler geschrieben. Dabei nimmt man auch oft den Gesang als Demo-Vocal auf, um zu zeigen, wie der Text zur Melodie gesungen werden soll.  Diese Aufnahme hat zufällig jemand aus der Animebranche gehört, woraufhin ich gefragt wurde, ob ich nicht mal selbst einen Anisong singen möchte. Wenn man Lieder für Animes schreibt, berücksichtigt man natürlich das Werk an sich. Das heißt, bei der Produktion der Musik gibt es so etwas wie einen „Filter“ des entsprechenden Animes. Es ist also anders, als wenn man ein „normales“, eigenes Lied schreibt, wo man ausschließlich auf die eigenen Erfahrungen oder Gefühle zurückgreift. Je nachdem, ob es ein Coming-of-Age-Anime ist oder ein Mecha-Anime – man versucht, sich darin zurecht zu finden, und so kann man bei dem Produktionsprozess auch ein neues Ich finden. Das finde ich sehr interessant und ich empfinde dabei sehr viel Freiheit.

Wie haben Sie ihre Stimme geschult und das Songschreiben gelernt? Waren Sie zum Beispiel schon in der Schule musikalisch aktiv oder haben Sie vielleicht auch klassischen Unterricht genommen?
TRUE:
  Gesangsunterricht mit einem professionellen Lehrer nehme ich auch jetzt noch einmal in der Woche. Bezüglich des Songtexteschreibens wurde ich nie wirklich geschult. Ich schreibe das, was ich empfinde.

Seit 2014 singen Sie unter dem Künstlernamen TRUE für LANTIS. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
TRUE:
Genauso wie in der Frage zuvor wurde ich auch hier angesprochen wegen der Demo-Vocal-Aufnahme. Damals befand sich der Anime Buddy Complex in Produktion und es wurde nach einem Sänger gesucht, der passend zu dem Anime singen kann. Und so kam es, dass ich für LANTIS das Lied gesungen habe.

TRUE
© AnimaniA-Magazin/K. Bähler

Wie sind sie auf den Künstlernamen TRUE gekommen und was bedeutet er für Sie persönlich?
TRUE:
Nachdem ich mit 15 angefangen habe zu singen, habe ich viele Erfahrungen gemacht. Ich war Popsängerin, war als Theaterschauspielerin auf der Bühne … Ich habe vieles ausprobiert. Und jetzt fühle ich mich, als hätte ich mit Anisongs das wirklich Richtige für mich gefunden. Man könnte sagen, dass diese vielen kleinen Wege teilweise Umwege waren. Aber für mich sind das alles wichtige Erinnerungen und Erfahrungen. In dem Namen TRUE steckt also mein Werdegang mit meinen vielen Erlebnissen, durch die ich letztendlich meine „wahre“ Form, mein jetziges Ich als Anime-Sängerin, gefunden habe.

Wie entsteht ein neuer TRUE-Song? Erläutern Sie es uns gerne zum Beispiel anhand Ihrer Single From, dem Ending-Thema zu WorldEnd: What do you do at the end of the world? Are you busy? Will you save us? (WorldEnd, hierzulande als OmU-Fassung bei Crunchyroll).
TRUE:
Wenn es ein Lied zu einem Anime werden soll, zu dem es eine Manga-Vorlage gibt, lese ich den Manga, ansonsten lese ich den Plot des Animes. Dabei versuche ich zu verstehen, um was für eine Story es sich handelt und versuche, mich in die Story hineinzuversetzen und die Songtexte zu schreiben. Bei WorldEnd handelt es sich ja um weibliche Charaktere, die eigentlich nur für den Kampf geschaffen worden sind. Sie wissen also nicht, was es bedeutet, zu leben, was es heißt, jemanden Wichtiges zu beschützen, oder gar, was Liebe ist … Im Laufe der Story lernen sie es durch die Begegnung mit dem Hauptcharakter aber langsam kennen. So kommt es, dass sie versuchen, alles zu geben, um die Dinge, die ihnen wichtig sind und die sie lieben, zu beschützen. Ich wollte mit dem Ending-Song so etwas wie einen „Ort“ für diese tapferen Charaktere schaffen. Je nachdem, um was für einen Anime es sich handelt, sieht der Produktionsprozess recht anders aus. Generell ist es ja so, dass die Lieder zu Animes durch Competition-Verfahren ausgewählt werden und ich die Songtexte speziell zu dem beauftragten Titel schreibe. Vor der Gesangsaufnahme bereite ich mich gut vor, damit auch der Gesang zu dem Konzept des Animes passt. Durch diese gründliche Vorarbeit dauert die Aufnahme selbst auch meist etwa nur eine Stunde.

TRUE
© AnimaniA-Magazin/A. Henn

Gibt es Unterschiede in Ihrer Arbeitsweise bei Anisongs und unabhängigen Songs?
TRUE:
Momentan bin ich zwar als Anisong-Sängerin aktiv, aber es gibt auch Lieder, die zu keinem Anime gehören, wie etwa Lieder auf dem Album oder B-Seiten-Lieder. Bei denen gibt es also nicht den eben erklärten „Anime-Filter“ und man muss sich beim Schreiben des Songs wirklich „sich selbst“ stellen. Das ist ziemlich anstrengend, denn das ist nicht ja nicht leicht und dauert auch lange. Oft schreibt man in den Liedern auch über Seiten von sich selbst, die man eigentlich nicht gerne anderen Leuten zeigen möchte. Das ist also ziemlich herausfordernd.

Ob unabhängiger Song oder Collaboration: Gibt es etwas, das ihnen sowohl beim Songschreiben oder beim Gesang immer besonders wichtig ist?
TRUE: Ich achte darauf, dass man nicht lügt. Animes und die Charaktere, die darin vorkommen, sind ja eine Fiktion. Die Worte aber, die man dort hineinbringt kommen sehr direkt rüber. Daher versuche ich, die Worte, die ich als einzelner Mensch in der Realität einbringe, so ehrlich wie möglich zu halten. Auch beim Singen versuche ich diese ehrliche Haltung beizubehalten.

Sie haben bereits zu vielen unterschiedlichen Titeln Songs beigesteuert – von musikalischen Schuldramen wie Sound! Euphonium über Science Fiction wie Mobile Suit Gundam: Iron-Blood Orphans und Fantasy wie WorldEnd. In welchem Anime-Genre fühlen sie sich am meisten zu Hause und gibt es vielleicht ein Franchise, für das sie gerne einmal singen würden?
TRUE:
Das ist eine schwierige Frage! Sound! Euphonium ist für mich auf jeden Fall ein sehr wichtiger Anime, da er mein Leben als Musiker sehr verändert hat. Daher wünsche ich mir, dass ich auch künftig bei dem Titel etwas beisteuern kann. Ansonsten mochte ich schon immer Mecha-Animes sehr gerne und mag z.B. Gundam und Macross. Bei Macross Delta habe ich den Songtext zum Opening geschrieben und zu Gundam habe ich ja den Song gesungen. In der Hinsicht hat sich also mein Wunsch erfüllt. Ich freue mich sehr, dass ich an Serien mitwirken kann, die ich auch als Kind schon geschaut und gemocht habe.

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© AnimaniA-Magazin/K. Bähler

Können Sie uns vielleicht schon etwas über Ihre nächsten Anisong-Projekte verraten?
TRUE:
Ich singe das Opening zu dem Anime Hina Logi: From Luck & Logic, der im Juli anläuft. Bei Luck & Logic hatte ich auch den Songtext zum Ending-Theme geschrieben und nun wollte es der Zufall so, dass ich auch das Opening zur neuen Serie singe. Luck & Logic ist ein Anime zu einem Kartenspiel. Im Januar nächsten Jahres werde ich das Opening zu Violet Evergarden, einem neuen Anime von Kyoto Animation, singen. Das wird meine nächste Zusammenarbeit mit Kyoto Animation seit Sound! Euphonium. Violet Evergarden soll auch aktiv im Ausland gezeigt werden, daher bin ich seit Sommer viel im Ausland unterwegs, wo ich das Opening singe und die Fans auch die erste Folge des Animes bei einem Special-Screening schauen können.

Wie bereiten Sie sich heute auf einen Auftritt vor? Haben Sie zum Beispiel bestimmte Rituale, bevor Sie auf die Bühne gehen?
TRUE:
Eigentlich nur selbstverständliche Dinge, wie Stimme und Körper aufwärmen. Oft kann ich in der Nacht davor nicht schlafen. (lacht)

Sie haben beim Kulturradio Cho! A&G+ ihre erste Radiosendung TRUE no omotenashi rajio: tsurumatsuya e yokoso! (dt.: TRUEs gastfreundliches Radio: Willkommen im Tsurumatsuya!). Könnten Sie unseren Lesern etwas mehr über dieses Projekt erzählen, zum Beispiel, was für Themen Sie behandeln?
TRUE:
Es ist schwer zu erklären. Aber simpel gesagt lautet das Konzept: Eine erwachsene Frau mag Animes und spricht darüber. Es gibt viele Anime-Radiosendungen von Synchronsprechern oder Sängern, aber meine Sendung unterscheidet sich davon, da es bei meinem Projekt eher darum geht, dass ich als Anime-Fan mit dem Content Spaß habe und z.B. wirklich über die Dinge rede, die ich persönlich mag. Es ist also alles ziemlich aus der Sicht eines normalen Fans.

Was bedeutet Ihnen diese Möglichkeit, als Radiomoderatorin aktiv zu sein?
TRUE:
Es macht sehr viel Spaß. Man hat ja nicht oft die Chance, offen über das private Hobby zu reden. Bei Interviews wie diesem liegt der Fokus natürlich auf die Musik oder die Werke als Künstlerin TRUE. Aber beim Radio kann ich einfach über die Dinge reden, die ich mag, z.B. über meine persönlichen Lieblingsserien oder meine Lieblingssynchronsprecher. Das macht mir Spaß.

TRUE
© AnimaniA-Magazin

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung, wenn Sie nicht an neuen Songs, Auftritten oder ihrer Radiosendung arbeiten?
TRUE:
Ich trainiere ziemlich viel im Fitnessstudio. Ich habe auch einen Personal Trainer. Ich schätze auch die Zeit, die ich alleine verbringe und gehe auch mal gerne alleine ins Kino oder Anime-Sachen im Animate einkaufen.

Anisongs aus Japan motivieren in Deutschland eine große Zahl von Hobby- und Nachwuchssängerinnen, japanische Werke zu covern, deutschsprachige Versionen aufzunehmen oder sogar eigene Songs zu Animes und Mangas schreiben. Haben Sie einen Tipp für Nachwuchssongschreiberinnen?
TRUE:
Wow, so etwas gibt es? Das ist super! Anisongs sind zwar in der Tat „japanisch“ und kommen aus Japan, aber inzwischen erfreuen sie sich auch im Ausland großer Beliebtheit. Es gibt ja nirgendwo eine Regel, die besagt, dass nur Japaner Anisongs singen dürfen. Ich fände es also interessant, wenn zunehmend auch nicht-japanische Sänger offiziell die Lieder von Animes singen würden. Wenn die Liebe zu Animes da ist, dann wird das auch ganz bestimmt die Herzen vieler Leute erreichen. Ich würde mich auch gerne davon inspirieren lassen. Ich werde mal auf YouTube und so weiter danach suchen. (lacht)

Sie treten zum ersten Mal auf der AnimagiC in Deutschland auf. Was verbinden sie bislang mit Deutschland und worauf sind sie bei ihrem Besuch besonders neugierig?
TRUE:
Ich verbinde mit Deutschland Bier und Wurst! Ich freue ich sehr auf das Essen. Auch bin ich auf die schönen Landschaften gespannt. Bisher hatte ich nicht so viel Gelegenheit im Ausland aufzutreten und konnte daher noch nicht so viele Landschaften anschauen oder fremde Kulturen kennenlernen. Ich möchte viel davon mitnehmen, denn ich bin mir sicher, dass diese Erlebnisse auch Einfluss auf meine künftigen Werke haben werden. Jedenfalls … ich freue mich auf das deutsche Bier!

Haben Sie zum Abschluss noch eine Message an Ihre deutschen Fans?
TRUE:
Bisher hatte ich leider nicht die Gelegenheit, den deutschen Fans direkt meine Musik zu übermitteln. Wie auch eben gesagt, ist ja „Anime“ nicht mehr etwas, was nur in Japan geschaut wird. So viele Fans auf der Welt und auch in Deutschland schauen und mögen Animes. Umso dankbarer bin ich, dass ich dieses Mal die Chance bekomme, vor den deutschen Fans aufzutreten. Ich werde mir natürlich Mühe mit den Vorbereitungen geben, um eine gute Performance zu liefern. Ich hoffe, ihr werdet es mögen!

TRUE-san, vielen Dank für das Interview!

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