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Interview: Anike Hage über ihre neue Manga-Reihe Eislicht

Im November 2018 startet bei altraverse mit Eislicht das aktuelle Werk der deutschen Manga-ka Anike Hage (u. a. Gothic Sports)! Hier lest ihr das komplette Interview, das wir mit der etablierten Künstlerin zum Erscheinen des ersten Bandes der Fantasy-Reihe geführt haben. Unsere Besprechung zu Eislicht findet ihr in der brandneuen AnimaniA 6/2018

Hallo Anike, danke, dass Du Dir die Zeit für ein Interview nimmst! Die Veröffentlichung von Gothic Sports, Die Wolke und kurzen Intermezzi etwa in Grimms Manga ist schon eine Weile her. Stell Dich doch bitte den jüngeren Manga-Fans noch einmal vor. Was was hat dich in den letzten Jahren zeichnerisch beschäftigt?

Anike Hage (AH): Neben kleinen Comics für Schulbücher und Comicseiten, die in TV-Serien als Requisite durch den Hintergrund gehuscht sind, habe ich in den letzten Jahren vor allem Cover und Illustrationen im Jugendbuchbereich gemacht. Mein letztes dickeres Buch war dann ein Pferdesachbuch, das ich illustrieren durfte. Natürlich alles irgendwie im Mangastil! (lacht)

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Eislicht ist ja bereits als Webcomic eine Zeit lang online erschienen. Was hat Dich dazu bewogen, jetzt ein Buch daraus zu machen?

AH: Für mich ist ein Comic eigentlich immer erst fertig, wenn er ein Buch zum Anfassen ist. Von daher war zunächst der Gedanke, irgendwann vielleicht zwei bis drei Exemplare drucken zu lassen und das Projekt damit abzuschließen. Im Laufe der Jahre war die Resonanz dann aber recht positiv und es kamen immer mehr Nachfragen nach einer gedruckten Version, die man kaufen kann.

Da habe ich endgültig angefangen, mir Gedanken zu machen, wie ich das am besten angehe. Allerdings ganz langsam und gemächlich! So sind wieder einige Jahre verstrichen und irgendwann habe ich mir dann einen Schubs gegeben. Mit altraverse hat’s gepasst und da sind wir nun.

Zeichnest Du immer noch wie zu Gothic Sports-Zeiten?

AH: Das hat sich schon etwas verändert! Ich habe mir vor Zeichenbeginn ganz gezielt vorgenommen, endlich digital inken zu lernen und es war am Ende ein ziemlich langer Kampf. Anfangs habe ich oft kapituliert und doch noch viele Elemente auf Papier getuscht und dann digital erweitert. Nach und nach wurde es dann besser und heute geht es mir einigermaßen von der Hand. Also waren neben schnöden Finelinern Zeichenprogramme mein Tintenersatz!

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Wie bist Du auf die Idee zu der Story und den Charakteren gekommen? Bevorzugst Du vielleicht inzwischen ein spezielles Genre oder Szenarien? Oder hat Dich unter Umständen ein spezieller Titel inspiriert?

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AH: Die Entscheidung für ein Genre hat sich für mich oft auch daraus ergeben, was man potentiell bei einem Verlag unterbringen könnte. Bestimmte Bereiche habe ich da einfach ausgeklammert. Ohne diese gedankliche Einschränkung kann ich aber an fast jedem Genre etwas spannend finden, wobei Fantasy- und Endzeitszenarien immer ganz vorne dabei sind! So richtig bevorzugen oder ausschließen würde ich aber fast nichts.

Wie das oft so ist, waren die Ideen zu Charakteren und Story in den Grundzügen wahrscheinlich schon lange da. Aber an dem Tag, an dem ich mich entschieden habe, die Story zu machen, hat sich alles ziemlich schnell zusammengefügt. Ich bin so in einem nächtlichen Schneegestöber mit dem Hund spazieren gegangen und hatte schon einige Monate bzw. Jahre ein extrem gespanntes Verhältnis zum professionellen Comiczeichnern.

Ich habe mir dann einfach mal ganz bewusst erlaubt, nicht mehr an Veröffentlichungsmöglichkeiten zu denken, sondern nur daran, worauf ich Lust hätte. Einfach mal wieder loszeichnen, ohne jede Idee als zu wenig originell in die Tonne zu werfen! Dass es Fantasy werden sollte, war schnell klar, also habe ich überlegt, was ich an RPGs, alten Fantasy-Storys und dem echten Leben so alles mochte: Ich mag Hexen, ich liebe in jedem RPG das obligatorische Winterdorf und den Winter an sich. Dazu noch etwas Inspiration von Halloween und Weihnachten und die Sache war ziemlich schnell rund. So konnte ich mich auch gleich noch damit motivieren, das Ganze vielleicht anstelle eines Weihnachtsbildes auf Animexx hochzuladen, auch wenn ich das am Ende so weit hinausgezögert habe, dass noch ein Jahreswechsel dazwischen passte.

Vom Setting her wurde ich vielleicht am ehesten von Skyrim inspiriert, auch wenn das natürlich noch mal in eine ganz andere Richtung geht. Jedenfalls habe ich das zu der Zeit gespielt und es hatte für mich genau die Atmosphäre bzw. Klimazone, in die ich mich beim Zeichnen auch hineinwerfen wollte!

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Haben die Charaktere reale Vorbilder oder sind sie komplett erfunden? Wie entscheidest Du, welches Aussehen und welche Eigenschaften ein Charakter haben soll? Welcher ist Dein Lieblingscharakter und warum?

AH: Indirekt gibt es sicher viele verworrene Parallelen zu realen Vorbildern, da die Story auch irgendwie meine persönliche kleine Zeichen-Midlife-Crisis war. So richtig viel bewusst entscheiden musste ich aber nicht, weil sich meist alles irgendwie ergibt, wenn die Basisfiguren stehen. Allerdings habe ich schon hin und wieder zwei Figuren zu einer verschmolzen oder etwas umgebastelt, damit es nicht zu viel wird oder sich die Story hier und da etwas besser erzählen lässt. Meist reicht es aber, kurz zu überlegen, welche Elemente und Eigenschaften man dringend braucht, damit die Geschichte funktioniert und der Rest ergibt sich fast wie von selbst.

Welcher ist Dein Lieblingscharakter und warum?

AH: Hm, mein Lieblingscharakter … Das ist eine schwierige Frage! Ich glaube, ich mag sie alle ein wenig und wahrscheinlich immer gerade die am liebsten, die die spaßigen Szenen bieten. Das kann sich dann auch mal kapitelweise ändern!

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Welche Szenen machen Dir am meisten Spaß beim Zeichnen und mit welchen tust Du Dich schwer?

AH: Spaß macht es immer dann, wenn es zeichnerisch hinhaut und nicht alles komplett schief wird. Das ist recht unabhängig vom Inhalt der Szene. Aber natürlich gibt es Favoriten! Actionszenen sind manchmal eine nette Abwechslung und Szenen mit leckerem Essen zeichne ich auch sehr gerne. Keine Ahnung warum! (lacht)

Am meisten Überwindung kosten mich wohl immer noch schlüpfrige Liebesszenen. Irgendwie komme ich mir dabei vor wie ein Voyeur! Aber unterm Strich macht auch das irgendwie Spaß – also das Zeichnen, nicht der Voyeurismus! (lacht)

Hast du Eislicht noch einmal überarbeitet??

AH: Ja, da bin ich permanent dabei! Da sich die Arbeit an der Geschichte nun schon über einen so langen Zeitraum erstreckt, wollte ich alles noch einmal überarbeiten, damit die Seiten möglichst einheitlich aussehen. Dabei handelt es sich eigentlich nur um optische Korrekturen hier und da. Inhaltlich bleibt alles gleich!

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Im Gegensatz zu anderen Manga-kas bist Du online kaum aktiv, nur via Twitter kann man, vor allem, was Deine Zeichnungen betrifft, auf dem Laufenden bleiben. Warum ist das so?

AH: Ich habe Social Media und digitale Präsenz im Lauf der Jahre als unheimlich belastend empfunden. Nicht einmal, weil ich dort auf böse Leute getroffen wäre, sondern weil es einfach zu viel von allem ist, wenn man wirklich dranbleiben will. Ich denke mittlerweile, dass man nur das machen sollte, was sich intuitiv gut in den Alltag einbinden lässt, ohne einem ein Gefühl von zermürbendem Dauerstress zu geben. So füttere ich im Augenblick nur noch Twitter und Animexx und weiß dafür, dass nicht zu viel liegen bleibt. Die freigewordenen Energien kann ich dann ins Zeichnen stecken!

Was machst Du in Deiner Freizeit und kannst Du inzwischen von der Zeichenkunst leben?

AH: Bis jetzt schon, aber sich nach getaner Arbeit zufrieden und befreit in den Sessel fallen lassen, kann man als Zeichner ja eher nicht. Das ist noch in Arbeit! (lacht)

Die meiste Freizeit investiere ich wohl in meinen Hund, im Sommer in recht erfolglosen Gemüseanbau und ich habe mich vor einiger Zeit dazu überwunden, Stricken zu lernen, damit ich mir endlich meine eigenen Norweger-Pullover mit Hunden statt Elchen stricken kann. Und dann sind da natürlich noch Videospiele. Sobald ich da was Nettes entdecke, bin ich dabei!

Könntest Du Dir eigentlich vorstellen, mit einem anderen Zeichner oder Autor zusammenzuarbeiten?

©Jumpai Tanaka

AH: Vorstellen kann ich mir das schon, aber wenn es nicht gerade darum geht, dass ich lediglich das fertige Buch eines Autors in einen Comic umsetze, muss es schon optimal passen. Gerade weil ein Autor natürlich auch seine Bilder und Vorstellungen im Kopf hat, kann es sonst schnell sehr mühselig werden. Konkrete Kandidaten fallen mir aber nicht ein. Was das Zeichnerische betrifft, wären es aber wohl vor allem engere Freunde, mit denen ich so etwas angehen würde!

Liebe Anike, vielen Dank für Deine Zeit und viel Erfolg weiterhin!